
Falle Nr. 1: Unvorbereitet sein
Ein erfolgreiches Vorstellungsgespräch steht und fällt mit Ihrer Vorbereitung. Natürlich können Sie vorher nicht ganz genau wissen, welche Fragen Ihnen gestellt werden, doch es gibt bestimmte Fragen, die höchstwahrscheinlich kommen werden, wie zum Beispiel:
-Â Â Warum bewerben Sie sich ausgerechnet bei unserem Unternehmen?
-Â Â Was interessiert Sie besonders an diesem Job?
-  Was qualifiziert Sie für diese Position?
Und der Klassiker, der die Gefahr birgt, direkt zu Beginn ins Straucheln zu geraten: „Nun erzählen Sie doch mal von sich ...“ Es ist hilfreich, wenn Sie sich hier nicht zu sehr auf Ihre Spontanität verlassen, sondern sich bereits im Vorfeld genau überlegen, was Sie auf diese Gesprächsaufforderungen antworten werden. Auf „Nun erzählen Sie doch mal von sich …“ kann als Antwort Ihr persönlicher Elevator-Pitch folgen und direkt in die Begründung überleiten, warum Sie sich für dieses Unternehmen bzw. die Position interessieren. Das könnte zum Beispiel so aussehen:
„Ich habe bereits als Kind eine ganz besondere Verbindung zu Tieren gespürt und hatte schon immer große Freude am Schreiben bewegender Texte. Nach meinem Germanistik-Studium habe ich für verschiedene Agenturen als Werbetexter gearbeitet und nun möchte ich meine Erfahrungen und Fähigkeiten in den Dienst einer sinnstiftenden Mission stellen, die mit meinen Werten im Einklang steht. Die Stelle als Social-Media-Texter in Ihrer Tierschutzorganisation bietet mir genau diese Möglichkeit.“
Gerade dann, wenn Sie sich zu den eher introvertierten Personen zählen, ist eine gute und ausführliche Vorbereitung wichtig. Sie können Ihren Elevator-Pitch und Ihre Antworten auf die typischen Fragen auch mit einem Freund oder einer Freundin ein paarmal üben. Das wird Ihnen Sicherheit geben und diese werden Sie wiederum im Gespräch ausstrahlen.Â
Falle Nr. 2: Aussagen wie Fragen betonen
„Also, ich bin Isabel? Und, ähm, also ich habe Gesang studiert? Und dann, dann habe ich beim Radio gearbeitet? Und ähm …“ Na, merken Sie etwas? Ganz viele Menschen tappen in die Falle, am Ende eines Aussagesatzes mit der Stimme nach oben zu gehen. Der Satz klingt dann wie eine Frage und unabgeschlossen, was mehrere Konsequenzen hat: Sie wirken damit erstens unsicher und zweitens laufen Sie Gefahr, sich um Kopf und Kragen zu reden. Denn genau dadurch, dass der Satz unabgeschlossen klingt, werden Sie das Bedürfnis haben, danach noch etwas zu sagen – doch was genau? Viele Menschen sagen dann, während sie überlegen „… uuund … äähm …“, um sich Zeit zu verschaffen. Leider wirkt es überhaupt nicht selbstbewusst oder souverän, mehrere Sätze hintereinander wie Fragen zu betonen und immer wieder mit „ … uuund … ääähm“ zu verbinden. Der nicht besonders elegante Weg aus dieser Endlos-Schleife, der leider oft gewählt wird, ist das Wort „genau“. Es wird also eine Aussage als Frage ausgesprochen und ein „… genau“ hinterhergeschoben, um zu zeigen, dass Sie jetzt fertig sind mit dem Reden. Viel schöner ist es, wenn Sie sich das „… genau“ abgewöhnen und stattdessen Ihre Aussagesätze auf Punkt sprechen. Das bedeutet, dass Sie zum Ende des Satzes mit der Stimme leicht nach unten gehen, sodass die Zuhörenden wissen: Wäre es geschriebene Sprache, würde da jetzt ein Punkt stehen – und kein Fragezeichen. Auch das ist etwas, das Sie mit anderen Menschen und im Alltag üben können.
Falle Nr. 3: Sich um Kopf und Kragen reden
Es gibt noch weitere Tipps, die Ihnen dabei helfen, sich eben nicht um Kopf und Kragen zu reden. Ein Schlüsselwort, das ich von meinem Kollegen Lutz Herkenrath übernommen habe, lautet „Nettobotschaft“. Oft neigen wir dazu, das, was wir eigentlich übermitteln wollen, in zu viel „Tara“ zu verpacken. Das passiert häufig, wenn wir aufgeregt sind oder jemanden beeindrucken wollen. Sie können es ab jetzt anders machen, indem Sie sich auf die Nettobotschaft konzentrieren: Was wollen Sie ganz konkret dem Gegenüber mitteilen? Stellen Sie sich vor, dass Sie der anderen Person Ihre Botschaften so übergeben, dass es so einfach wie möglich ist, zu erkennen, um was es wirklich geht – also ohne Verpackung, Schleife und andere Ablenkungen.
Ein weiterer Trick für mehr Souveränität besteht in dem, was Sie eben nicht sagen: Die Fähigkeit, in einem Gespräch Pausen und Stille aushalten zu können, wird meiner Meinung nach stark unterschätzt. Widerstehen Sie dem Bedürfnis, jedes Schweigen zu füllen. Wenn jemand Ihnen eine Frage stellt, probieren Sie es einmal so: Sprechen Sie einen Satz auf Punkt. Machen Sie danach eine Pause und sehen das Gegenüber freundlich an. Wenn hier die andere Person nicht sofort etwas sagt, entsteht bei den meisten Menschen das Bedürfnis, weiterzusprechen. Machen Sie es ab jetzt anders und halten Sie die Stille aus. Das signalisiert Sicherheit.Â
Falle Nr. 4: Die Augenhöhe vergessen
Denken Sie daran, dass ein Vorstellungsgespräch ein beidseitiges Kennenlernen auf Augenhöhe ist. Fallen Sie weder in eine untergeordnete Haltung als Bittsteller nach dem Motto „Bitte, bitte lassen Sie mich für Sie arbeiten!“ noch in eine Überheblichkeit, in der Sie sich hinter einer Maske verstecken. Konzentrieren Sie sich ganz bewusst darauf, mit einer offenen und ehrlichen Haltung in das Gespräch zu gehen. Sagen Sie ganz klar (Nettobotschaft), was Sie an dem Unternehmen bzw. dem Job reizt, was Sie gut können, was Sie (noch) nicht können, wo Ihre Expertise liegt, und auch, wo sie eben nicht liegt. Wenn Sie dazu neigen, vor lauter Aufregung in die Bittsteller-Haltung oder in den Überheblichkeitsmodus zu rutschen, erinnern Sie sich daran, dass die Interviewenden in erster Linie, genau wie Sie, Menschen sind. Es geht nicht darum, jemandem etwas zu beweisen. Das Ziel besteht hingegen darin, herauszufinden, ob Sie zur Position passen und ob das Unternehmen und der Job zu Ihnen passen. Im Gespräch arbeiten Sie alle gemeinsam daran, dieses Ziel zu erreichen.
