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Ein Karrieretipp von Isabel Garcia, Lesedauer: ca. 4 Minuten

Die Bessersprecher

Die Bessersprecher

An allen Ecken und Enden werden wir belehrt, wie wir zu reden haben. Wer die Arme verschränkt, ist dagegen. Wer sein Bein in Richtung des Gesprächspartners über das andere kreuzt, zeigt damit seine Sympathie. Wer bei Vorträgen zu viel hin und her läuft, wirkt inkompetent.

 

Dies sind nur einige Beispiele von einem ganzen Katalog an Regeln. Falls Ihnen diese noch nicht in der Schule oder im Studium begegnet sind, so wird sich das im Berufsleben garantiert ändern. Nur wird das Miteinander-Kommunizieren wirklich einfacher, wenn wir uns an all diese Regeln halten? Geben die überhaupt Sinn? Ich bin der Meinung, dass wir nicht mehr Regeln brauchen, sondern mehr Kommunikation. Und da viele Regeln unlogisch klangen und meiner Trainererfahrung widersprachen, habe ich mich auf die Suche nach dem Sinn hinter den Regeln begeben.

 

Mythos 1: Mit verschränkten Armen können Sie nicht so gut zuhören und nehmen 38 Prozent weniger Inhalt auf, als wenn Sie mit einer offenen Körperhaltung zuhören.

Generell wird immer wieder gepredigt, dass verschränkte Arme „bäh“ sind und auf alle Fälle vermieden werden sollten, weil Sie damit Ablehnung und Abgrenzung ausstrahlen würden. Ist das so? Manchmal ja. Und ganz häufig, ist es einfach nur eine bequeme Haltung. Und diese sogenannte Studie, bei der die 38 Prozent herauskamen, gibt es nicht. Zumindest wird sie nirgendwo genannt. Nur der Hinweis, dass mit einer unbekannten Anzahl von Studenten an einer Universität irgendwo in den USA diese 38 Prozent heraus kamen. So etwas kommt noch nicht einmal ansatzweise in die Nähe einer seriösen Studie. Es gilt: Wenn Sie sich mit verschränkten Armen wohl fühlen, dann machen Sie es ruhig, solange Sie nicht nonstop so dastehen bzw. sitzen. #bessersprechertipp: Nichts ist so toll, dass Sie es immer machen sollten, und nichts ist so schlimm, dass Sie es nie machen dürfen.

Mythos 2: Verwenden Sie keine Negationen, weil Ihr Gehirn die nicht verstehen kann.

Vor einigen Jahrzehnten entstand dieser Mythos und wird immer noch gerne verbreitet, obwohl er wissenschaftlich schon lange widerlegt wurde. Natürlich kann unser Gehirn Negationen (kein, nicht, etc.) verstehen. Doch unser Gehirn stürzt sich bei einem Wort zuerst auf die Bilder. Somit bei dem Satz „Hoffentlich werde ich nicht krank“ auf das Bild der Krankheit. Dieses Bild wirkt sich auf unseren Körper aus, bevor unser Gehirn dann das „nicht“ im Satz entdeckt. Doch dann ist es zu spät. Das Bild der Krankheit hat eventuell schon Stress ausgelöst, ruft somit Cortisol und Adrenalin auf den Plan und die senken das Immunsystem. Mit dem Wissen, dass die Bilder in einem Satz sofort eine Auswirkung haben, wäre es schlau, sich auf eine positive bildhafte Sprache zu konzentrieren, anstatt Negationen zu vermeiden, die unser Gehirn durchaus versteht. #bessersprechertipp: Achten Sie darauf, welche Worte Sie benutzen. Zahlen die auf Ihr Ziel ein? Sind sie motivierend? Oder machen sie Angst?

Mythos 3: Halten Sie Ihre Hände beim Reden immer im positiven Bereich

Schauen Sie sich einen Redner auf der Bühne oder einen Moderator im Fernsehen an. Die meisten winkeln ihre Arme an und halten ihre Hände auf Höhe der Gürtelschnalle. Dieser Bereich soll neutral sein. Oberhalb der Gürtelschnalle wäre der Bereich dann positiv. Sobald Sie die Hände aber im Gesicht haben, könnte dies schon wieder auf eine Lüge hindeuten. So die vielgepredigte Meinung. Fragen Sie gerne mal einen Schauspieler, ob er seine Hände immer in Gürtelhöhe hält, um eine Rolle neutral oder positiv zu spielen. Die Antwort wird ein klares Nein sein. Überlegen Sie doch einfach mal, wo Sie Ihre Hände haben, wenn Sie zu Hause der Ehefrau oder dem Lebenspartner ein Kompliment machen. Sind die Hände, ähnlich wie bei Frau Merkel, in Taillenhöhe ineinander verknotet? Wahrscheinlich ist das völlig unterschiedlich. Mal verschränken Sie die Arme, mal lassen Sie die Arme einfach fallen oder Sie vergraben die Hände in den Hosentaschen oder Sie halten gerade einen Becher mit Kaffee oder fuchteln wild in der Luft herum. Sie können natürlich in allen Fällen positiv reden. Wichtig ist, dass Sie Ihre ureigene, authentische und somit überzeugende Körpersprache finden. #bessersprechertipp: Erkunden Sie Ihre eigene Körpersprache. Lassen Sie sich von jüngeren Geschwistern oder Freunden erzählen, wo Sie normalerweise Ihre Hände haben, wenn Sie reden. Finden Sie heraus, wie Sie Ihre Hände gerne bewegen, damit Sie nicht bei Bewerbungsgesprächen oder bei zukünftigen Kundenpräsentationen mit der Merkel-Raute unterwegs sind.

Mythos 4: Sagen Sie nie ABER. Sagen Sie dafür UND.

Natürlich ist es schlau, wenn Sie nicht zu Ihrem Studienkollegen sagen: „Sie sind echt fleißig, aber leider ist alles falsch, was Sie machen.“ Dadurch hätten Sie sich das Kompliment auch sparen können, weil es mit der niederschmetternden Aussage nach dem Aber vernichtet wird. Mit dem Aber schwächen wir die vorherige Aussage. Nicht mehr und nicht weniger. Wenn Sie also mit einem negativen Satz anfangen, dann ergibt ein Aber Sinn, weil Sie das Negative relativieren. Zum Beispiel: „Die Deutschen sind viel zu regelverliebt, aber einige Regeln ergeben durchaus Sinn.“ Warum sollten wir jedes Aber durch ein Und ersetzen? Dadurch wird der Inhalt häufig komplett verändert oder klingt zumindest sehr eigenartig: „Die Deutschen sind viel zu regelverliebt und einige Regeln ergeben durchaus Sinn.“ Häh? Das funktioniert nicht. Natürlich können Sie zu anderen Worten greifen, wie zum Beispiel „und gleichzeitig“. Dies würde bei diesem Beispielsatz funktionieren. Die Frage ist: warum ein so feines Wort wie „aber“ generell in die verbale Wüste schicken? #bessersprechertipp: Wenn Sie eine negative Aussage haben, dann dürfen Sie danach natürlich ein „Aber“ verwenden, um die Aussage zu relativieren. Etwas Negatives mit einem „Aber“ abzu-schwächen ist gut, etwas Schönes mit einem „Aber“ zu relativieren, fühlt sich für die meisten nicht gut an.

 

 

Fazit

 

Richten Sie sich doch grob an folgende Leitplanken:

  • Es gibt kein Müssen, kein Immer, kein Nie und kein Nur.
  • Nichts ist so schlimm, dass Sie es nie machen dürfen und nichts ist so toll, dass Sie es immer machen sollten.
  • Nehmen Sie sich selbst bewusst wahr, um bewusst authentisch auftreten zu können.

 

Und dann gibt es noch die eine feste, unumstößliche Regel: Haben Sie Spaß!


Kommunikation

Kommunikationstrainer und Buchautor Rene Borbonus und weitere Gastredakteure geben wertvolle Tipps rund um das Thema Kommunikation.

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