Karrieretipps > Kommunikation > „Hat jemand Notizen gemacht?“

Ein Karrieretipp von René Borbonus, Lesedauer: ca. 4 Minuten

„Hat jemand Notizen gemacht?“

„Hat jemand Notizen gemacht?“

Wie Sie einen Blackout überwinden und für sich nutzen können

Es gibt schönere Momente im Leben als einen Blackout. Manche behaupten sogar, es gebe nichts Schlimmeres. Da möchte ich dann doch widersprechen: Ein Blackout ist halb so wild. Erstens kann das Publikum sich nach einem guten Vortrag in aller Regel nicht einmal mehr daran erinnern. Und zweitens kann man aus einem Blackout sogar einen Vorteil ziehen, wenn man sich nicht aus der Ruhe bringen lässt.

 

Mein wichtigster Ratschlag vorab lautet deshalb: Machen Sie sich locker. Der sicherste Weg in den Blackout ist nämlich die Angst vor dem Blackout. Sparen Sie sich diese zusätzliche Belastung – sie ist unnötig. Denn wenn es doch einmal passiert, gibt es einfache Notfall-Strategien, die nicht nur die Situation retten, sondern Sie dabei auch noch gut aussehen lassen.

 

Notfall-Strategie 1

Den Blackout als Pause inszenieren

Ob Sie es glauben oder nicht: Sie haben viel Zeit, um auf einen Blackout zu reagieren. Ein Texthänger fühlt sich für Sie schlimmer an, als er ist, weil Sie als Vortragender unter Druck stehen. Die Befindlichkeit Ihres Publikums hingegen liegt irgendwo auf der Skala zwischen aufmerksamem Zuhören und Wachkoma (in Ihrem Fall selbstverständlich Ersteres). Mit anderen Worten: Das Publikum ist entspannt. Eine Unterbrechung von bis zu drei Sekunden wird von den Zuhörern gar nicht als Ausfall wahrgenommen, sondern als wirkungsvoller Akzent innerhalb der Rede. Kleine Pausen sind nicht böse. Kleine Pausen sind der Freund des Redners.

 

Wenn Sie also einmal nach der richtigen Formulierung suchen oder den Faden verloren haben, gehen Sie ruhig erst einmal drei Sekunden in sich – Ihr Publikum hat gerade nichts anderes vor. In dieser Zeit können Sie entscheiden, wie Sie weitermachen. Entweder fällt Ihnen wieder ein, was als nächstes kommt; das ist der Regelfall, denn Sie sind ja gut vorbereitet. In diesem Fall schauen Sie ins Publikum und machen Sie ungerührt weiter. Dann wird der Blackout als inszenierte Pause wahrgenommen.

 

Wenn die Gedächtnislücke auch nach drei Sekunden noch so hartnäckig ist, dass Sie sich fragen, warum es in Hörsälen nie einen Souffleurkasten gibt, sollten Sie allerdings handeln.

Notfall-Strategie 2

Aufs Kurzzeitgedächtnis zurückgreifen

Wenn der rote Faden auch nach einer kurzen Pause nicht wiederkommen will, sollten Sie Ihr Gedächtnis nicht gleich verfluchen. Geben Sie Ihrem Gehirn eine Chance – es hat schließlich nie Urlaub.

 

Genau diesen Umstand können Sie sich nun zunutze machen, indem Sie auf Ihr Kurzzeitgedächtnis zurückgreifen. Es speichert seine Informationen im rein elektrischen Teil unseres Gehirns, in dem keine chemischen Veränderungen stattfinden. Daher bleibt es von Emotionen wie Angst oder Sorge weitgehend unbeeinflusst. Ihr Kurzzeitgedächtnis weiß noch, was Sie Ihren Zuhörern bisher erzählt haben. Und weil Wiederholung auch gut für das Gedächtnis Ihres Publikums ist, spricht nichts dagegen, eine kurze Schleife einzulegen.

 

Leiten Sie zunächst über mit einem Satz wie: „Ich fasse kurz zusammen, was wir bislang erfahren haben“ oder „Noch einmal die drei wichtigsten Punkte bisher“. Dann wiederholen Sie die vorangegangenen Aspekte.

 

Auch diese Methode hat den Vorteil, dass der Blackout im besten Fall gar nicht als solcher wahrgenommen wird. Zum anderen führt die Wiederholung oft dazu, dass Sie Ihren roten Faden wiederfinden, wenn Sie sich den Gesamtzusammenhang Ihrer Rede auf diese Weise noch einmal vergegenwärtigen.

 

Sollten Sie nach dieser Schleife immer noch nicht weiter wissen oder Ihnen eine Wiederholung gerade nicht angebracht erscheinen, kann Strategie 3 greifen.

 

Notfall-Strategie 3

Mit Humor Sympathie-Punkte sammeln

Humor ist ein rhetorisches Mittel, das fast immer funktioniert und die meisten Vorträge aufwerten kann. Auch und gerade trockene fachliche Referate. Beim Blackout kann eine Pointe zum Retter in der Not werden: Mit Humor können Sie die vermeintlich peinliche Situation tatsächlich zu Ihren Gunsten drehen.

 

Wenn Sie auf witzige Weise indirekt eingestehen, dass Ihnen gerade die Worte fehlen, ist das ein sehr menschlicher Zug. Das lässt Sie viel sympathischer wirken, als wenn Sie verbissen um den nächsten Satz kämpfen, damit Ihre Gedächtnislücke bloß nicht auffällt. Nutzen Sie die Gelegenheit, um Ihre Souveränität als Redner zu demonstrieren, indem Sie das Publikum trotz rhetorischer Unterbrechung weiter unterhalten.

 

Die Voraussetzung dafür ist, dass Sie sich auf den Fall eines „Blackout“ vorbereiten. Die kleine Investition an Zeit lohnt sich: Wenn Sie sich einmal Gedanken darüber gemacht haben, wie Sie mit dieser Situation umgehen können, verlieren Aussetzer ihren Schrecken – und kommen allein deshalb seltener vor, weil Sie keine Angst mehr davor haben werden.

 

Viele Profi-Redner haben für den Fall der Fälle ein vorbereitetes As im Ärmel. Der amerikanische Redner Phil Cass beispielsweise sagte einmal nach einigen Sekunden Stille, weil er nicht weiter wusste: „Pst! Gott spricht zu mir!“ Sein Kollege Terry Paulson gab sich äußerst humorvoll geschlagen: „Manchmal bedeutet Schweigen sehr viel … aber nicht dieses Mal.“ Auch ein anderer berühmter Redner, Tony King, fand einen witzigen Ansatz, um sein Publikum zum Lachen zu bringen und gleichzeitig einzubeziehen. Als er den Faden verloren hatte, fragte er die Zuhörer: „Hat jemand Notizen gemacht?“ Wenn es ein Publikum gibt, das diesen Gag versteht, dann Ihre Kommilitonen… 

 

Zusammenfassung:

Den Blackout nutzen

Sparen Sie sich die Angst: Ein Blackout ist halb so wild, wenn man darauf zu reagieren weiß. Folgende Tipps helfen Ihnen dabei, aus einem peinlichen Moment eine Gelegenheit zum Glänzen zu machen:

  • Bleiben Sie im doppelten Sinne ruhig: Eine Pause von bis zu drei Sekunden wird als Akzent in Ihrer Rede wahrgenommen. Sie haben Zeit!
  • Vertrauen Sie Ihrem Kurzzeitgedächtnis: Wiederholen Sie die bisherigen Kernaussagen.
  • Nehmen Sie es mit Humor: Legen Sie sich eine witzige Bemerkung zurecht, die den Blackout selbstironisch thematisiert und Sie sympathisch wirken lässt.

 

Kommen Sie gut an!

Ihr René Borbonus


Kommunikation

Kommunikationstrainer und Buchautor Rene Borbonus und weitere Gastredakteure geben wertvolle Tipps rund um das Thema Kommunikation.

Weitere interessante Tipps zu diesem Thema

>
Julia Bach
Was ist eigentlich dieses Kom-pli-anze – und was hat es mit mir zu tun?
Schon mal von Compliance gehört? Rangiert für viele irgendwo zwischen Polizei und Miss Marple und ...
René Borbonus
Schneller nach oben
Gute Ideen überzeugend vermitteln mit dem Elevator PitchDer Elevator Pitch taugt zu viel mehr als z...
Claudia Kimich
Lets talk about money
Eure Fragen zum Thema Gehalstverhandlung hat campushunter an die Expertin Claudia Kimich gestellt.Ge...
René Borbonus
Zusammenfinden
Wie wir nach dem Corona-Trauma wieder ins Gespräch kommen Das Virus hat viel mehr in unserer G...
Petra Wagner
Was mich aufregen darf – bestimme ich!
Sonne, Strand, früher Morgen und wunderbare Luft. Mein kleiner Welpe ist bei mir und wir toben ausg...
Henryk Lüderitz
In drei Schritten zu mehr Empathie
Mit diesen drei Schritten wirst du sofort viel empathischerEmpathie und Einfühlungsvermögen haben ...
René Borbonus
Schweigen: die unterschätzte Gesprächs-Strategie
Was die „sprechende Medizin“ uns über gelingende Dialoge lehrtEines der hartnäckigsten Irrtüm...
Juliane Rosier
Introvertiert erfolgreich sein!
Nach Treffen mit vielen Menschen bist du meist erschöpft und vor einem oberflächlichen Small Talk ...
Isabel Garcia
Alles aussprechen, ohne Angst vor Streit
Wirkungsvoll in schwierige Gespräche startenCorona, Klimawandel, Gendersprache … es gibt viele Th...
Claudia Kimich
Was ‘ne Schweinerei!
Es war einmal vor langer langer Zeit an einem weit entfernten Ort hinter den Bergen umgeben von Wäl...
René Borbonus
Schrille Post
Wie Ihre Botschaften verfälscht werden und wie Sie das verhindern Jeder kennt den Stille-Post-...
Martina Haas
Feedback – Fluch oder Segen oder gar ein Auslaufmodell?
„Nichts ist leichter als Selbstbetrug, denn was ein Mensch wahr haben möchte, hält er auch für ...
Claudia Hupprich
Willkommen im Organisationszoo
Willkommen im OrganisationszooWie Du mit Meeting-Gorillas und Panik-Kaninchen am besten umgehst ...
René Borbonus
Bloß nicht verzocken!
Bloß nicht verzocken!Wie man sich auf wichtige Gespräche vorbereitet     ...
Martina Haas
Der König ist tot, es lebe der König!
Der König ist tot, es lebe der König!Vom Nutzen von Networking in Krisen Ihr könnt „Corona...
René Borbonus
Reden ist Verantwortung
Reden ist Verantwortung Wie man Menschen überzeugt, statt sie zu überreden Die freie Red...
René Borbonus
Vier gewinnt
Vier gewinnt      Was Hip-Hop und Vorträge erfolgreich macht Tho...
René Borbonus
Ihre Stimme sagt so viel wie Ihre Worte!
Ihre Stimme sagt so viel wie Ihre Worte! Wie Sie dafür sorgen, dass Sie gut klingen Die V...
Martina Haas
Die E-Mail ist tot – Es lebe die E-Mail
Die E-Mail ist tot – Es lebe die E-Mail Es ist großartig: Wir leben in einem Zeitalter nahez...
René Borbonus
Fassen wir bloß nicht zusammen!
Fassen wir bloß nicht zusammen!Wie Ihr Referat bis zum Schluss spannend bleibt Jede Präsentat...
Isabel Garcia
Die Bessersprecher
Die BessersprecherAn allen Ecken und Enden werden wir belehrt, wie wir zu reden haben. Wer die Arme ...
Mona Wiezoreck
So schmeckt Kritik gut: Der Feedback-Burger
„Kannst du machen, ist halt kacke!“ So schmeckt Kritik gut: Der Feedback-Burger „Kannst d...
René Borbonus
Wie Sie mit Storytelling Handlungsimpulse erzeugen
Mehr als überzeugenWie Sie mit Storytelling Handlungsimpulse erzeugen Manche Referate während...
A.S.I Wirtschaftsberatung AG
Reden kann doch jeder - oder etwa nicht?!
Reden kann doch jeder -oder etwa nicht?!Rhetorik als Schlüssel zu einer erfolgreichen Präsentation...
René Borbonus
Protest willkommen
                &nbs...
Martina Haas
Mit dem richtigen Networking zum Erfolg.
On- und offline gut vernetzt –Mit dem richtigen Networking zum Erfolg. Wir sind mittlerweile ...
René Borbonus
Powerpoint, dein Freund und Helfer
Powerpoint, dein Freund und HelferWie Sie Ihr Referat mit einer guten Präsentation aufwerten J...
Holger Ahrens
XING, LinkedIn und Co. sind nicht nur was für alte Säcke!
XING, LinkedIn und Co. sind nicht nur was für alte Säcke! Durch digitales Selbstmarketing fr...
René Borbonus
Kein Grund, nervös zu werden…
Nervosität– Kein Grund, nervös zu werden…Als Akademiker kennen Sie die Nervosität, die jeden ...
Petra Polk
Wie kommen Sie beim Networking leicht ins Gespräch
Wie kommen Sie beim Networking leicht ins Gespräch Eine Frage die mir sehr oft gestellt wird u...
René Borbonus
Die Kultur des Unwissens
Die Kultur des Unwissens– oder warum wir nicht jeden Mist teilen dürfen Das gesammelte Wisse...
René Borbonus
Gerade noch mal schiefgegangen
Gerade noch mal schiefgegangenWarum es sich lohnt, über Fehler zu reden Fehler haben auf dem Karrie...

Beruflicher Erfolg durch Körpersprache
Beruflicher Erfolg durch KörperspracheWenn Sie beruflich vorankommen wollen, sei es intern oder dur...
René Borbonus
Schreiben Sie doch, was Sie wollen!
Schreiben Sie doch, was Sie wollen!Warum Kommunikation in Echtzeit manchmal echt Zeit braucht. ...
Ute Blindert
Netzwerken während des Studiums – so geht’s!
 Netzwerken während des Studiums – so geht’s!Beim Thema „Netzwerken“ fragen sich siche...
René Borbonus
Fragensteller sind Weichensteller
Fragensteller sind Weichensteller„Wer nicht fragt, bleibt dumm“, diesen Spruch kennen wir alle s...
Viktorija Rakucha
3 x fragen lohnt sich!?
3 x fragen lohnt sich!?Beruflich und privat kommunizieren Sie viel, direkt „Face to Face“ und am...
Ute Blindert
LinkedIn – so erstellst du ein gutes Profil
LinkedIn – so erstellst du ein gutes ProfilWenn du dir die Frage stellst, welches Online-Business-...
René Borbonus
Mit konstruktiver Kritik Konflikte vermeiden
Mit konstruktiver Kritik Konflikte vermeidenDer Kollege, der nie pünktlich zum vereinbarten Termin ...
René Borbonus
Karrieremotor Respekt
Karrieremotor RespektSo schön die Studienzeit auch ist: Nach Jahren in überfüllten Hörsälen mö...
René Borbonus
Alles außer Schall und Rauch
Alles außer Schall und RauchWorte, die etwas sagen, werden auch gehört „Bitte bleiben Sie n...
Milena Hardt
Voice Power
 Wir alle kennen Menschen, denen wir gerne zuhören und andere, bei denen wir unwillkürlich ab...
Ute Blindert
Netzwerken während des Studiums – bringt das was?
Netzwerken während des Studiums – bringt das was?Das Thema „Netzwerken“ macht seit einiger Ze...
Viktorija Rakucha
Schneller zum Erfolg oder Schritt für Schritt?
Schneller zum Erfolg oder Schritt für Schritt?Von der Körpertypologie eines Menschen: sehend vs f...
Ulrike Heiß
Inbox Zero – das Geheimnis eines klaren Kopfes
Inbox Zero – das Geheimnis eines klaren Kopfes So arbeiten die E-Mail-Profis: Wer konsequent ...
René Borbonus
Mit konstruktiver Kritik Konflikte vermeiden
Mit konstruktiver Kritik Konflikte vermeidenDer Kollege, der nie pünktlich zum vereinbarten Termin ...
René Borbonus
Der erste Satz muss begeistern
RedeeinstiegDer erste Satz muss begeistern Der erste Satz in einer Rede entscheidet darüber, o...
René Borbonus
Der Pannen-Notfallkoffer
Der Pannen-Notfallkoffer Die schlechte Nachricht: Nach dem Gesetz von Murphy wird all das schie...
women&work
Guanxi – oder die Kunst, Kontakte zu knüpfen
Guanxi – oder die Kunst, Kontakte zu knüpfenSechs effektive Networking-TippsGuanxi ist das chines...
René Borbonus
Ratschläge für einen schlechten Kritiker
Ratschläge für einen schlechten KritikerWie Sie Ihre Mitmenschen vergraulen Wer braucht schon...
Viktorija Rakucha
Unsere Zunge kann lügen - unser Körper nicht.
Unsere Zunge kann lügen - unser Körper nicht Die Körpersprache wird aus dem Unbewussten des ...

Keine lange Leitung
Keine lange Leitung Um es kurz zu machen: das Telefon-Register für mehr Erfolg im Job. Klingel...
Lorenz-Seminare
Was unser Körper über uns verrät
Was unser Körper über uns verrätvon Karl Heinz LorenzWir geben uns viel Mühe, Sprachen zu erlern...
Karrierecoach München
Konflikte erfolgreich meistern!
Konfliktmanagement: Konflikte erfolgreich meistern! Häufig werden Konflikte als unangenehme St...
René Borbonus
Erfolgreich Fahrstuhl fahren
Erfolgreich Fahrstuhl fahren Geheimwaffe Elevator Pitch: In Sekundenschnelle überzeugend präs...
Thorsten Ohler
Die ultimative Präsentation
 Die ultimative Präsentation und was Lametta damit zu tun hat…„Ich will, dass die Präsent...
Deutsche Bildung
Lampenfieber
Lampenfieber: ein schrecklich mulmiges GefühlWer kennt das nicht? Heute müssen Sie ein Referat h...
René Borbonus
Killerfragen clever nutzen
Schwierige (Frage-)Typen und wie man ihnen begegnetIch werde oft gefragt, wie man schwierige Fragen ...
René Borbonus
Good news first?
Von der Kunst, schlechte Nachrichten angemessen zu vermitteln Die Zeiten, in denen Überbringer...
René Borbonus
Mit einem Lächeln zum Erfolg
Warum es sich lohnt, ein freundlicher Mensch zu seinWann hat Freundlichkeit eigentlich einen derart ...