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René Borbonus



Gerade noch mal schiefgegangen


Warum es sich lohnt, über Fehler zu reden

Fehler haben auf dem Karriereweg immer noch einen schlechten Ruf.
Dabei gibt es kaum einen besseren Ansatz, um zu lernen und sich weiterzuentwickeln. Einige unserer größten Errungenschaften gehen auf Fehler zurück. Kommunikationstrainer René Borbonus zeigt, warum der offene Umgang mit Fehlern sich lohnt – und wie Sie in Ihrem Umfeld dafür sorgen können,
dass darüber gesprochen wird.

Fehler sind eines der letzten Tabus der Leistungsgesellschaft. Jedem passieren sie, die wenigsten stehen dazu. Jeder Fehler, glauben wir, könnte die Karriere killen, noch bevor sie richtig begonnen hat, ganz besonders, wenn man sich als Praktikant, als Werkstudent oder als Berufseinsteiger erst noch beweisen muss!

 

Deshalb neigen wir – gerade auch zu Beginn der Karriere – dazu, Fehler zu verbergen. Und das ist schade. Denn gerade sie können viel dazu beitragen, den eigenen Weg zu finden und konsequent zu gehen. Ohne ein paar saftige Missgeschicke, Irrtümer und blöde Zufälle hätte es einige der wichtigsten Erfindungen der Neuzeit nämlich schlicht nicht gegeben. Und einige der bedeutendsten Köpfe der Wissenschaft wären nie berühmt geworden, wenn sie nicht auch mal Mist gebaut hätten.

 

Fehler, die Geschichte machten

Im Sommer 1928 hatte der Bakteriologe Alexander Fleming mal die Nase voll von der Forscherei, machte sein Labor dicht und fuhr in den Urlaub. Nur dass er sein Labor eben nicht konsequent dicht gemacht hatte: Er hatte vergessen, das Fenster zu schließen.

 

Als er zurückkehrte, fiel ihm neben der ungewohnt frischen Luft an seinem Arbeitsplatz auch eine seltsame Veränderung auf den Versuchsplatten auf, auf die er vor seinem Urlaub Eitererreger aufgetragen hatte. Die hatte er eigentlich kultivieren wollen, um damit zu arbeiten, doch nun waren sie hin. Die Frage war bloß: Woran waren sie zugrunde gegangen, wenn nicht an Langeweile?

 

Fleming legte die Versuchsplatten unter das Mikroskop und entdeckte neben den toten Eitererregern noch etwas anderes: Pilzsporen, die er dort nicht aufgebracht hatte. Er zählte eins und eins zusammen und kam zu dem Schluss, dass sie durchs geöffnete Fenster eingedrungen sein mussten. Er wiederholte den Vorgang unter kontrollierten Bedingungen und sah seinen Verdacht bestätigt: Die Sporen hatten dem Eiter den Garaus gemacht.

 

Die Weiterentwicklung dieser Zufallsentdeckung hieß Penicillin und revolutionierte die Therapiemöglichkeiten bakterieller Erkrankungen. Der ursprüngliche Typ Penicillin G rettete in den Jahrzehnten nach seiner Entdeckung unzählige Menschenleben und wird heute noch eingesetzt. Zu verdanken haben wir den Wirkstoff der Schusseligkeit eines zerstreuten Professors.

 

Was sagt man dazu? Ein Fehler kann Menschen retten, reich machen und den Nobelpreis einbringen!

 

Fehler öffnen neue Wege

An Alexander Fleming können wir uns ein Beispiel nehmen: Anstatt Fehler zu vertuschen, zu verdammen und ungeschehen machen zu wollen, können wir sie zum Thema machen.

 

Nicht nur bei zerstreuten Professoren, sondern gerade auch zu Beginn der Karriere haben Fehler große Bedeutung: Manchmal sind es die ungeplanten Umwege und Irrfahrten, die uns zum Ziel führen. Manchmal ist es ein widerwillig eingeschobenes Praktikum, das den Ausschlag für die Karriereentscheidung gibt. Manchmal ist es der eine Dozent, in dessen Vorlesung man gar nicht gehen wollte, der die Begeisterung für ein bestimmtes Thema weckt. Manchmal ist es das Totalversagen in der vermeintlichen Parade-Disziplin, die uns erkennen lässt: Das ist gar nicht mein Ding, und meine Stärken liegen woanders.

 

Wenn das Leben mal wieder andere Pläne macht: Legen Sie den Fehler unter das Mikroskop, nicht den Schuldigen. Das ist nämlich der Grund, warum Fehler tabuisiert werden: Meist wird der Wert von Fehlern nicht in Erkenntnis gemessen, sondern in Schuld. Deshalb wird auch über Schuld kommuniziert, und nicht über den Fehler selbst. Und das hilft niemandem.

 

Fehler als Ressource

Es gibt sogar Situationen, in denen es auf jeden Fehler ankommt. Wenn Sie nach dem Studium die Gründung eines Start-ups anstreben, gehören Fehler zu Ihren wichtigsten Ressourcen. In der Erprobungsphase neuer Prozesse oder Produkte schaut jeder erfahrene Unternehmer genauer auf die Risiken und Nebenwirkungen als auf das, was von Anfang an glatt läuft. Wenn Fehler in dieser Phase vertuscht oder nicht angemessen ausgewertet werden, kann dieses Versäumnis über Erfolg oder Misserfolg entscheiden.

 

Einer, der seinen Erfolg genau darauf gebaut hat, ist der größte Start-up-Investor des Silicon Valley: Tim Draper. Er investiert ständig in Leute, die nichts außer einer guten Idee haben – und bis zum Markterfolg reichlich Fehler machen, bevor sich die Investition in ihre Marke rechnet. Trotzdem ist Draper durch seine zahllosen Investments nicht etwa ärmer, sondern nur noch reicher geworden. Zu seinen größten Erfolgen zählen Investments in Skype und Hotmail. Derzeit setzt er u. a. auf den Elektroauto-Hersteller Tesla.

 

Drapers Geschäftsmodell besteht darin, erfindungsreiche Menschen zu finanzieren, während sie alle notwendigen Fehler machen, bis ihre Idee funktioniert. Wir dürfen ihm also glauben, wenn er sagt: „Wenn du außergewöhnliche Fehler machst, können großartige Dinge passieren!“

 

Auf einen Blick: Aus Fehlern lernen 

Fehler sind nichts, wovor man Angst haben müsste, denn sie passieren sowieso. Zur Chance werden sie allerdings nur, wenn wir offen darüber sprechen und positive Konsequenzen ziehen. Das 'Glück des Tüchtigen' winkt nämlich nur denen, die einen außergewöhnlichen Fehler beim Schopfe packen, wenn er passiert. 

 

-  Tabuisieren Sie Fehler nicht, sondern thematisieren Sie sie und reden Sie offen darüber. 
-  Suchen Sie nicht nach der Schuld, ­sondern nach dem Erkenntniswert jedes Fehlers.
-  Nutzen Sie Fehler als Ressourcen, indem Sie prüfen, ob sich etwas daraus machen lässt.

 

Kommen Sie gut an! 

Ihr

René Borbonus

Kommunikation

Kommunikationstrainer und Buchautor Rene Borbonus und weitere Gastredakteure geben wertvolle Tipps rund um das Thema Kommunikation.


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