Casual-Friday – was soll das nur heißen?
Der Begriff und damit auch die Sitte, sich am Freitag etwas lockerer zu kleiden, kommen aus den Vereinigten Staaten. Allein diese Tatsache hat hierzulande zu vielen Fehlinterpretationen geführt. Viele Deutsche haben bei USA automatisch die Assoziation „Bluejeans“, „Hamburger“, „flache Hierarchien“, „unkomplizierte und direkte Kommunikation“.
Wenige wissen, dass die Kleiderordnung dort in einigen Teilen des Landes und in manchen Branchen durchaus sehr streng ist. Eine falsche Krawatte kann also bei einem Erstgespräch in den USA durchaus schon das Ende bedeuten.
Ursprünglich wurde der „Casual Friday“ als „Dress down Friday“ verstanden – als Tag, an dem die Business-Kleidung etwas gelockert sein darf. Die Betonung liegt hier auf: Business-Kleidung – also keine Rede von Freizeitlook und auf etwas.
Sowohl in Amerika als auch hier gibt es eine Anzahl von Unternehmen, die nett gemeinte Geste wieder zurücknehmen mussten. Zum einen hatten Untersuchungen gezeigt, dass die Effektivität bei gelockerter Kleidung sinkt. Zum anderen hatten sich Kunden über zu saloppe Kleidung beschwert. Zudem wurde der Dresscode von vielen falsch interpretiert, die dann tatsächlich in Freizeitkleidung zum Meeting erschienen. Begeistert wurde die Idee natürlich gerade von den Branchen aufgenommen, die einen strengen Dresscode haben und tagtäglich in dunklen Anzug, Hemd und Krawatte arbeiten. Doch auch dort wurde die Idee in den letzten Jahren sukzessive wieder zurückgenommen.
„Casual“ wurde hierzulande oft mit „Freizeit“ übersetzt. So kamen dann Jogginganzügen und Flipflops und verwaschene Jeans in die Unternehmen. Das lässt zwar tiefe Schlüsse auf das Verhalten der Angestellten in ihrer Freizeit zu, hilft aber nicht unbedingt sich als Mitarbeiter und als Unternehmen professionell zu präsentieren. Wenn die Mitarbeiter so aussehen, also ob sie vor dem Wochenendausflug nur mal eben kurz in der Arbeit vorbeischauen, dann setzt das falsche Signale.
Was wäre eine korrekte Kleidung am „Casual-Friday“?
Als Grundregel kann man sich merken, dass die Kleidung immer noch dem Image des Unternehmens entsprechen sollte. Sie ist nur etwas aufgelockerter als an den Tagen zuvor. Also: Lässig ist nicht gleich nachlässig!
Zudem gilt, dass die gelockerte Kleidung nur dann an einem Freitag getragen werden kann, wenn man keine Kundentermine an diesem Tag hat – sonst bleibt alles wie an den anderen Wochentagen. Was es im Einzelfall genau bedeutet, ist nur verstehen, wenn man weiß, welcher Dresscode mit welchen Details für die andren Wochentage gilt. Gilt im Unternehmen Anzugpflicht, wäre folgendes möglich:
Männer könnten zum Beispiel statt Anzug eine Kombination tragen, oder die Krawatte beim Anzug weglassen und dafür ein Button-down-Hemd tragen. Frauen statt des Kostüms oder Hosenanzug nur den unteren Teil davon tragen und das Jackett mit einem eleganten Twinset ersetzen.
Auch am Casual-Friday sollte tabu sein:
- Zerrissene Jeans
- Ungebügelte oder ungepflegte Kleidung
- Jogginganzug oder andere Sportkleidung
- „Strandlook“
- Sandalen oder Flipflops
- Gürtelschlaufen ohne Gürtel
- Schlecht sitzende Kleidung
- „Schlabberlook“
- Partykleidung
- Spezielle Freizeitkleidung wie Jäger- oder Anglerkleidung
- Schritt der Hose in den Kniekehlen
- Look, der an Campingplatz, Kindergeburtstag oder Handarbeitsgruppe denken lässt