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René Borbonus

Alles außer Schall und Rauch

Worte, die etwas sagen, werden auch gehört

 

„Bitte bleiben Sie nicht unangeschnallt!“

„Es ist hier nicht erlaubt, eine Zigarette zu entzünden, daran zu ziehen und den Qualm auszuatmen.“

„Rauchen kann dazu führen, dass Sie vorzeitig aus dem Leben scheiden.“

 

Wären Sie überrascht, solche Warnungen oder Verbotsschilder zu lesen? Jeder dieser Sätze sagt im Grunde genau das Gleiche was „Bitte anschnallen!“, „Rauchen verboten“ und „Rauchen tötet“ sagen. Trotzdem hat keiner von ihnen die Kraft und Präzision, die Warnungen und Verbotsschilder benötigen, um ihre Wirkung zu entfalten. Es ist ganz einfach der falsche Stil. Guter Stil verlangt danach, dass Sie das Gesagte an die Bedürfnisse Ihres Publikums und natürlich daran anpassen, was Sie vermitteln wollen. Ihre Inhalte brauchen ein Transportmittel, damit sie ihren Weg ins Bewusstsein Ihres Publikums finden.

So wie eine Zeichnung keine über flüssigen Striche und eine Maschine keine über flüssigen Teile haben sollte, sollte Ihre Rede keine überflüssigen Worte oder Sätze enthalten.

Die Sprache ist dieses Transportmittel. Wählen Sie Ihre Worte sorgfältig, wägen Sie ab, mit welchem Wort und welcher Wendung Sie Ihre Argumente am besten vermitteln können.

 

Sonst laufen Sie Gefahr, dass selbst Ihre besten Ideen am Publikum vorbeirauschen. Ihre Rede ist keine Selbstinszenierung. Sorgen Sie dafür, dass Sie die Aufmerksamkeit Ihres Publikums auf Ihre Inhalte lenken, nicht auf Ihre Person. Es geht darum, es Ihren Zuhörern es so einfach wie möglich zu machen, Ihren Gedankengängen zu folgen und sich über den Verlauf Ihrer Rede die Aufmerksamkeit Ihres Publikums zu sichern. Ihr Sprachstil ist Ihr verbaler Fingerabdruck. Und ein guter, zur Situation passender Sprachstil zeugt von Respekt dem Zuhörer gegenüber.

 

So polieren Sie Ihren Sprachstil und machen Ihre Rede kraftvoller

Wählen Sie immer eine eindeutige, klare Sprache und bleiben Sie konkret. Das ist der beste Weg, um sich die Aufmerksamkeit Ihres Publikums zu sichern. Von abstrakten, verallgemeinernden Wendungen fühlt sich niemand wirklich angesprochen. Wenn ich höre, dass sich die Bevölkerung in den nächsten Jahren mit höheren Lebenshaltungskosten abfinden muss, dann finde ich das kurz schade, bevor ich unterm Tisch weiter meine SMS tippe. Wenn ich jedoch höre, dass ich mir im nächsten Sommer ganz gewiss meinen Segelurlaub abschminken kann, da die Inflation dafür sorgen wird, dass jeder Euro meines Einkommens nur noch 50 Cent wert ist, spitzen sich meine Ohren.

 

Nicht nur reden, sondern auch etwas sagen

Sorgen Sie dafür, dass jedes Ihrer Wort zählt. So wie eine Zeichnung keine über flüssigen Striche und eine Maschine keine über flüssigen Teile haben sollte, sollte Ihre Rede keine überflüssigen Worte oder Sätze enthalten. Das heißt nicht, dass alle Sätze kurz sein sollen, oder keine Einzelheiten enthalten dürfen – es heißt ganz einfach, dass jedes Wort seine Aufgabe er füllen muss.

 

Plaudern Sie nicht einfach los. Auf dass sich Ihr Publikum den Sinn schon selbst zusammenreimt. Als erstes müssen Sie ganz klar für sich entscheiden, was Sie mit Ihren Worten sagen und erreichen wollen. Dann erst können Sie Ihre Rede darauf hin zuschneiden.

 

Nehmen Sie Ihr Publikum bei der Hand und führen es ans Ziel

Die gesprochene Sprache braucht ein paar Extra-Hilfsmittel, damit Ihre Zuhörer Ihnen folgen können. Kausale Zusammenhänge oder wichtige Gegensätze sollten Sie durch verbale Mittel betonen, damit Ihnen Ihre Zuhörer folgen können: Aus diesem Grund, Deswegen, im Gegensatz dazu

 

Mit Vorsicht zu genießen:

Aber – nur verwenden, wenn Sie wirklich einen Gegensatz beschreiben.

Nicht – es fällt dem Menschen in der Regel schwer, etwas „nicht“ zu denken, sagen Sie lieber, was ist, als was nicht ist

Eigentlich – ist es nun so oder ist es nicht so?

Ehrlich gesagt – War sonst alles gelogen?

Das Wichtigste: Bleiben Sie selbstkritisch. Gehen Sie mehrmals durch Ihr Redenmanuskript.

Ich stelle mir bei der Bearbeitung meiner Redenmanuskripte immer folgende Fragen:

  • Sagt das, was ich sagen werde, wirklich das, was ich sagen will?
  • Sind meine Gedankengänge für einen Außenstehenden wirklich nachvollziehbar?
  • Habe ich mir jedes einzelne Substantiv kritisch angesehen und versucht, es durch ein starkes Verb zu ersetzen?
  • Habe ich wirklich alle Passivkonstruktionen aus dem Text geschmissen?
  • Hat jeder Satz eine Aussage oder stützt eine Aussage?
  • Haben ich die ganze unnötige heiße Luft abgelassen und jeden Satz so klar und eindeutig formuliert, wie er nur sein kann?

 

Kommen Sie gut an!

Ihr René Borbonus

 

6 Wege zu einem besseren Sprachstil


  • Wer sich hinter Passivkonstruktionen versteckt, bleibt passiv: benennen Sie in Ihrer Rede Ross und Reiter
  • Die Bewegung bewegt sich nicht: aktive Verben bewegen etwas in den Köpfen Ihrer Zuhörer, Substantive stehen nur im Weg und versperren die Sicht
  • Sagen Sie’s doch einfach: Klopfen Sie Ihre Rede auf unnötige Fremdworte und abgedroschene Phrasen ab und vermeiden Sie es tunlichst, um den heißen Brei zu reden
  • Wählen Sie klare Worte, mit denen Sie sagen, was Sie auch wirklich meinen
  • Euphemismen machen die Sache auch nicht besser: selbst wenn Ihnen die ungeschönte Wahrheit schwer über die Lippen will, führen Euphemismen Ihr Publikum ganz einfach in die Irre (denn auch wenn einer sagt, dass da jemand nur „von uns gegangen ist“, bleibt dieser Mensch doch tot)
  • Ist es wirklich das Allerbesteste? Vermeiden Sie Übertreibungen und Superlative, sonst wird Ihr Publikum am Ende allen Ihren Aussagen skeptisch gegenüber stehen
  • Sie führen kein Selbstgespräch! Beziehen Sie Ihre Zuhörer verbal ein, so halten sie Ihnen die Stange (Direkte Ansprache, rhetorische Fragen, echte Fragen, etc.)

Kommunikation

Kommunikationstrainer und Buchautor Rene Borbonus und weitere Gastredakteure geben wertvolle Tipps rund um das Thema Kommunikation.


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