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René Borbonus

„Hat jemand Notizen gemacht?“

Wie Sie einen Blackout überwinden und für sich nutzen können

Es gibt schönere Momente im Leben als einen Blackout. Manche behaupten sogar, es gebe nichts Schlimmeres. Da möchte ich dann doch widersprechen: Ein Blackout ist halb so wild. Erstens kann das Publikum sich nach einem guten Vortrag in aller Regel nicht einmal mehr daran erinnern. Und zweitens kann man aus einem Blackout sogar einen Vorteil ziehen, wenn man sich nicht aus der Ruhe bringen lässt.

 

Mein wichtigster Ratschlag vorab lautet deshalb: Machen Sie sich locker. Der sicherste Weg in den Blackout ist nämlich die Angst vor dem Blackout. Sparen Sie sich diese zusätzliche Belastung – sie ist unnötig. Denn wenn es doch einmal passiert, gibt es einfache Notfall-Strategien, die nicht nur die Situation retten, sondern Sie dabei auch noch gut aussehen lassen.

 

Notfall-Strategie 1

Den Blackout als Pause inszenieren

Ob Sie es glauben oder nicht: Sie haben viel Zeit, um auf einen Blackout zu reagieren. Ein Texthänger fühlt sich für Sie schlimmer an, als er ist, weil Sie als Vortragender unter Druck stehen. Die Befindlichkeit Ihres Publikums hingegen liegt irgendwo auf der Skala zwischen aufmerksamem Zuhören und Wachkoma (in Ihrem Fall selbstverständlich Ersteres). Mit anderen Worten: Das Publikum ist entspannt. Eine Unterbrechung von bis zu drei Sekunden wird von den Zuhörern gar nicht als Ausfall wahrgenommen, sondern als wirkungsvoller Akzent innerhalb der Rede. Kleine Pausen sind nicht böse. Kleine Pausen sind der Freund des Redners.

 

Wenn Sie also einmal nach der richtigen Formulierung suchen oder den Faden verloren haben, gehen Sie ruhig erst einmal drei Sekunden in sich – Ihr Publikum hat gerade nichts anderes vor. In dieser Zeit können Sie entscheiden, wie Sie weitermachen. Entweder fällt Ihnen wieder ein, was als nächstes kommt; das ist der Regelfall, denn Sie sind ja gut vorbereitet. In diesem Fall schauen Sie ins Publikum und machen Sie ungerührt weiter. Dann wird der Blackout als inszenierte Pause wahrgenommen.

 

Wenn die Gedächtnislücke auch nach drei Sekunden noch so hartnäckig ist, dass Sie sich fragen, warum es in Hörsälen nie einen Souffleurkasten gibt, sollten Sie allerdings handeln.

Notfall-Strategie 2

Aufs Kurzzeitgedächtnis zurückgreifen

Wenn der rote Faden auch nach einer kurzen Pause nicht wiederkommen will, sollten Sie Ihr Gedächtnis nicht gleich verfluchen. Geben Sie Ihrem Gehirn eine Chance – es hat schließlich nie Urlaub.

 

Genau diesen Umstand können Sie sich nun zunutze machen, indem Sie auf Ihr Kurzzeitgedächtnis zurückgreifen. Es speichert seine Informationen im rein elektrischen Teil unseres Gehirns, in dem keine chemischen Veränderungen stattfinden. Daher bleibt es von Emotionen wie Angst oder Sorge weitgehend unbeeinflusst. Ihr Kurzzeitgedächtnis weiß noch, was Sie Ihren Zuhörern bisher erzählt haben. Und weil Wiederholung auch gut für das Gedächtnis Ihres Publikums ist, spricht nichts dagegen, eine kurze Schleife einzulegen.

 

Leiten Sie zunächst über mit einem Satz wie: „Ich fasse kurz zusammen, was wir bislang erfahren haben“ oder „Noch einmal die drei wichtigsten Punkte bisher“. Dann wiederholen Sie die vorangegangenen Aspekte.

 

Auch diese Methode hat den Vorteil, dass der Blackout im besten Fall gar nicht als solcher wahrgenommen wird. Zum anderen führt die Wiederholung oft dazu, dass Sie Ihren roten Faden wiederfinden, wenn Sie sich den Gesamtzusammenhang Ihrer Rede auf diese Weise noch einmal vergegenwärtigen.

 

Sollten Sie nach dieser Schleife immer noch nicht weiter wissen oder Ihnen eine Wiederholung gerade nicht angebracht erscheinen, kann Strategie 3 greifen.

 

Notfall-Strategie 3

Mit Humor Sympathie-Punkte sammeln

Humor ist ein rhetorisches Mittel, das fast immer funktioniert und die meisten Vorträge aufwerten kann. Auch und gerade trockene fachliche Referate. Beim Blackout kann eine Pointe zum Retter in der Not werden: Mit Humor können Sie die vermeintlich peinliche Situation tatsächlich zu Ihren Gunsten drehen.

 

Wenn Sie auf witzige Weise indirekt eingestehen, dass Ihnen gerade die Worte fehlen, ist das ein sehr menschlicher Zug. Das lässt Sie viel sympathischer wirken, als wenn Sie verbissen um den nächsten Satz kämpfen, damit Ihre Gedächtnislücke bloß nicht auffällt. Nutzen Sie die Gelegenheit, um Ihre Souveränität als Redner zu demonstrieren, indem Sie das Publikum trotz rhetorischer Unterbrechung weiter unterhalten.

 

Die Voraussetzung dafür ist, dass Sie sich auf den Fall eines „Blackout“ vorbereiten. Die kleine Investition an Zeit lohnt sich: Wenn Sie sich einmal Gedanken darüber gemacht haben, wie Sie mit dieser Situation umgehen können, verlieren Aussetzer ihren Schrecken – und kommen allein deshalb seltener vor, weil Sie keine Angst mehr davor haben werden.

 

Viele Profi-Redner haben für den Fall der Fälle ein vorbereitetes As im Ärmel. Der amerikanische Redner Phil Cass beispielsweise sagte einmal nach einigen Sekunden Stille, weil er nicht weiter wusste: „Pst! Gott spricht zu mir!“ Sein Kollege Terry Paulson gab sich äußerst humorvoll geschlagen: „Manchmal bedeutet Schweigen sehr viel … aber nicht dieses Mal.“ Auch ein anderer berühmter Redner, Tony King, fand einen witzigen Ansatz, um sein Publikum zum Lachen zu bringen und gleichzeitig einzubeziehen. Als er den Faden verloren hatte, fragte er die Zuhörer: „Hat jemand Notizen gemacht?“ Wenn es ein Publikum gibt, das diesen Gag versteht, dann Ihre Kommilitonen… 

 

Zusammenfassung:

Den Blackout nutzen

Sparen Sie sich die Angst: Ein Blackout ist halb so wild, wenn man darauf zu reagieren weiß. Folgende Tipps helfen Ihnen dabei, aus einem peinlichen Moment eine Gelegenheit zum Glänzen zu machen:

  • Bleiben Sie im doppelten Sinne ruhig: Eine Pause von bis zu drei Sekunden wird als Akzent in Ihrer Rede wahrgenommen. Sie haben Zeit!
  • Vertrauen Sie Ihrem Kurzzeitgedächtnis: Wiederholen Sie die bisherigen Kernaussagen.
  • Nehmen Sie es mit Humor: Legen Sie sich eine witzige Bemerkung zurecht, die den Blackout selbstironisch thematisiert und Sie sympathisch wirken lässt.

 

Kommen Sie gut an!

Ihr René Borbonus

Kommunikation

Kommunikationstrainer und Buchautor Rene Borbonus und weitere Gastredakteure geben wertvolle Tipps rund um das Thema Kommunikation.


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